Die KI-Glaskugel des Buchhandels: Wie Verkaufszahlen vorhergesagt werden, bevor dein Buch erscheint
Erscheint am Samstag, 21. November 2026 um 7 Uhr
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Das Marktforschungsunternehmen Media Control hat eine KI entwickelt, die mit Daten zu 16 Millionen Büchern und 5 Milliarden Verkaufsvorgängen vorhersagt, wie sich ein neuer Titel verkaufen wird. Bei Bestsellerautoren liegt die Treffsicherheit bei 99 Prozent, bei Debüts und Selfpublishing-Titeln immerhin bei 82 Prozent. Verlage und Handel nutzen das bereits. In dieser Folge erkläre ich, was das für dich bedeutet und wie du dir deine eigene kleine Marktanalyse baust, bevor du schreibst.
Quellen
- trendingtopics.eu: AI-Absatzprognose soll Verkaufserfolg von Büchern antizipieren (16 Millionen Bücher, 5 Milliarden Verkaufsdaten, 99 Prozent bei Bestsellerautoren, 82 Prozent bei Erstlingswerken und Selfpublishing)
- ingenieur.de: KI-Tool sagt Bestseller voraus: Chance oder Gefahr für Verlage, 2. Januar 2025 (Werkzeug „Demandsens“, Partner BearingPoint)
- Deutsche Wirtschaftsnachrichten: Revolutioniert ein neues KI-Tool den Buchmarkt? (Daten von mehr als 9.000 Verkaufsstellen, 88 Prozent Marktabdeckung)
- Rheinpfalz: Lesemuffel und Prognosemaschine (aktuelle Einordnung 2026)
Transkript zum Nachlesen
Jonas: Herzlich willkommen bei KI Buch Power, deinem Buchpodcast für alle, die mit ihrem Buch sichtbar werden wollen. Ich bin Jonas, und bei mir ist Janet Zentel. Fünf Minuten, ein Thema, ein Schritt für dein Buch. Heute: die Glaskugel des Buchhandels. Janet, stimmt es, dass der Handel inzwischen vorhersagt, ob sich ein Buch verkauft, bevor es überhaupt erscheint?
Janet: Ja, und zwar mit KI. Media Control ist das Unternehmen, das in Deutschland die Bestsellerlisten erstellt. Es sammelt Verkaufsdaten von mehr als neuntausend Verkaufsstellen und deckt damit fast neunzig Prozent des Marktes ab. Gemeinsam mit einer Beratungsfirma hat es eine KI entwickelt, die aus diesen Daten Absatzprognosen für neue Bücher berechnet. Die Zahlen dahinter: über sechzehn Millionen Bücher, rund fünf Milliarden Verkaufsvorgänge, ausgewertet in gut einer Sekunde. Bei Fachbüchern und bei Büchern von Bestsellerautoren liegt die Treffsicherheit laut Unternehmen bei neunundneunzig Prozent. Bei Erstlingswerken unbekannter Autorinnen und bei selbst verlegten Büchern immer noch bei zweiundachtzig Prozent. Das Werkzeug ist seit vergangenem Jahr bei Pilotpartnern im täglichen Einsatz, für Verlage und Handel. Für Autoren ist es nicht zugänglich.
Jonas: Wie kann eine Maschine das wissen, wenn sie das Buch gar nicht gelesen hat?
Janet: Genau das ist der Punkt. Die KI hat dein Buch nicht gelesen. Sie kennt Genre, Warengruppe, Format, Preis, Autorennamen, Vergleichstitel, Erscheinungstermin. Und sie weiß, wie sich Bücher mit genau diesen Merkmalen in der Vergangenheit verkauft haben. Kritiker warnen vor Monotonie: Wenn alle nur noch das machen, was die Prognose gut findet, wird der Markt eintöniger. Das ist eine berechtigte Sorge. Aber ich will auf etwas anderes hinaus, nämlich darauf, was du daraus lernen kannst. Erstens: Dein Buch wird nach Signalen beurteilt, nicht nach Inhalt. Genre, Untertitel, Preis, Umfang, Vergleichstitel. Wenn du ein Expertenbuch schreibst und es sieht aus wie ein Ratgeber vom Wühltisch, wird es wie einer behandelt. Von der Maschine und vom Menschen. Zweitens: Vergleichstitel sind der Schlüssel. Die Prognose fragt im Kern: Welchen Büchern ähnelt dieses? Wenn du das selbst beantworten kannst, bevor du schreibst, weißt du, wo dein Buch im Regal steht. Drittens: Die Daten sind nicht geheim. Du hast kein Media Control, aber du hast Amazon. Rankings, Rezensionen, Preise, Seitenzahlen, Erscheinungsdaten. Und du hast KI, die diese Daten für dich lesen kann. Eine Marktanalyse, die früher eine Programmleiterin im Verlag gemacht hat, baust du dir heute in einer Stunde selbst.
Jonas: Heißt das, man sollte nur noch schreiben, was die Daten gut finden?
Janet: Nein, und das ist mir wichtig. Die Prognose beruht auf der Vergangenheit. Sie kann nur vorhersagen, was es ähnlich schon gegeben hat. Ein Buch, das eine neue Lücke besetzt, eine Zielgruppe, die bisher niemand bedient hat, bekommt von der Maschine eine schlechte Note, weil ihr die Vergleichsdaten fehlen. Genau diese Bücher sind oft die, die hinterher alle überraschen. Ich mache vor jedem Buch eine Marktanalyse. Nicht, um zu schreiben, was der Markt will, sondern um zu wissen, in welches Gespräch ich mich einmische. Wer die zehn Bücher kennt, die zu seinem Thema schon da sind, schreibt ein elftes, das etwas anders macht. Wer sie nicht kennt, schreibt das elfte, das genauso ist. Also: Nutze die Datenlogik, um dein Buch sauber zu positionieren, Genre, Preis, Umfang, Untertitel. Aber lass dir von ihr nicht ausreden, etwas Neues zu machen. Die Prognose kennt den Markt von gestern. Du kennst die Menschen, für die du schreibst.
Jonas: Dann der Fünf-Minuten-Schritt für heute.
Janet: Such auf Amazon fünf Bücher, die deinem geplanten Buch am nächsten kommen. Gleiches Thema, gleiche Zielgruppe. Notiere zu jedem: Preis, Seitenzahl, Erscheinungsjahr, Anzahl der Bewertungen, Durchschnittsnote. Das ist deine erste Datentabelle. Wenn du Zeit hast, kopiere die kritischsten Rezensionen und frag die KI: Was fehlt den Leserinnen an diesen Büchern? Die Antwort ist die Lücke, in die dein Buch gehört. Die Glaskugel des Handels ist nicht mehr als Statistik. Aber Statistik kannst du auch. Und du hast einen Vorteil, den keine Prognose hat: Du kannst dein Buch noch ändern. Das war dein Buch-Snack für heute. Alle Quellen findest du in den Shownotes. Wenn du dein eigenes Expertenbuch schreiben willst, schau bei KI Buch Power vorbei, der Link steht ebenfalls in den Shownotes. Und damit du es weißt: Diese Folge wurde mit meiner eigenen geklonten KI-Stimme eingesprochen, und auch Jonas ist eine KI-Stimme.
Jonas: Bis zum nächsten Snack.
Folge 16 von KI Buch Power, deinem Buchpodcast mit Janet Zentel. Eingesprochen mit der geklonten KI-Stimme von Janet Zentel. Jonas ist ebenfalls eine KI-Stimme.