
Lohnt sich dein Expertenbuch noch? So prüfst du Thema und Zielgruppe
Eine sinkende Marktzahl entscheidet nicht über dein Buch. Entscheidend ist, für wen es ein wichtiges Problem verständlich löst. So findest du das heraus, bevor du monatelang schreibst.
Recherche-Stand: 3. November 20266 Min. LesezeitAutorin: Janet Zentel
Zum Podcast: Folge 1, Der Buchmarkt schrumpft - und warum genau das deine Chance ist
Zur PodcastfolgeJa, ein Expertenbuch kann sich auch in einem rückläufigen Buchmarkt lohnen. Eine kleine Nische oder weniger Neuerscheinungen reichen dafür allerdings nicht aus. Du brauchst Menschen, die dein Thema wichtig finden, eine überzeugende Antwort auf ihre Fragen und einen erreichbaren Weg zu diesen Menschen.
Wenn du gerade an deiner Buchidee zweifelst, ist die hilfreiche Frage deshalb: „Was kann mein Buch für eine klar bestimmte Leserin leisten?“ Diese Frage kannst du untersuchen. Die allgemeine Stimmung in der Branche kannst du kaum beeinflussen.
In Folge 1 von KI Buch Power geht es genau um diese Spannung zwischen schwierigen Marktzahlen und der Chance eines klar positionierten Buches. Hier machen wir daraus einen praktischen Themencheck.
Was die Marktzahlen aussagen – und was offenbleibt
Der Börsenverein beziffert den deutschen Buchmarkt 2025 auf rund 9,62 Milliarden Euro, 2,7 Prozent weniger als im Vorjahr. Gleichzeitig entwickelten sich Warengruppen unterschiedlich; auch Ratgeber und Sachbücher waren von Rückgängen betroffen. Buchmarktdaten des Börsenvereins.
Daraus folgt keine sichere Prognose für dein einzelnes Buch. Ein schrumpfender Gesamtmarkt kann eine lebendige Teilzielgruppe enthalten. Umgekehrt garantiert ein wachsendes Segment keinem neuen Titel Verkäufe.
Auch die Zahl der Neuerscheinungen solltest du vorsichtig lesen: Das Tabellenkompendium weist ausdrücklich darauf hin, dass Print-on-Demand-Titel und E-Books nur teilweise erfasst sind. Weniger gezählte Erstauflagen bedeuten deshalb nicht automatisch weniger Konkurrenz im Selfpublishing. Methodischer Hinweis im Tabellenkompendium, Seite 9.
Für deine Entscheidung brauchst du einen näheren Blick auf das tatsächliche Problem deiner Leser. Dafür musst du keine Marktforschungsabteilung aufbauen. Eine sorgfältige kleine Recherche bringt dich weiter als eine große, unbelegte Erfolgsprognose.
Ein Thema ist noch kein Buchversprechen
„Ich möchte über Führung schreiben“ beschreibt ein Wissensgebiet. Es sagt noch wenig darüber, warum jemand dein Buch jetzt öffnen sollte.
Nehmen wir ein erfundenes Beispiel: Eine erfahrene Teamleiterin möchte ihre Erfahrungen weitergeben. Ihr erster Arbeitstitel lautet „Erfolgreich führen“. Im Gespräch mit möglichen Lesern merkt sie, dass ein bestimmter Übergang immer wieder schwierig ist: Gestern war man Kollege, heute muss man im selben Team Entscheidungen treffen.
Daraus entsteht ein genaueres Versprechen: „Dieses Buch hilft neuen Teamleitungen, ihre ersten schwierigen Gespräche im bisherigen Kollegenkreis vorzubereiten.“ Jetzt lassen sich Kapitel begründen: Erwartungen klären, Rollenwechsel ansprechen, Aufgaben verteilen, Grenzen setzen, Rückmeldungen geben.
Das Beispiel behauptet keine nachgewiesene Nachfrage. Es zeigt, wie aus einem weiten Thema eine untersuchbare Buchidee wird. Dein nächster Schritt wäre, mit Menschen in dieser Situation zu sprechen.
Suche nach Fragen, bevor du Antworten sammelst
Beginne mit drei Orten, an denen deine Zielgruppe bereits über ihr Problem spricht: fachliche Foren, öffentliche Diskussionen und Fragen aus deiner eigenen beruflichen Praxis. Verwende aus Kundenkontakten nur Informationen, die du nutzen darfst, und anonymisiere persönliche Details.
Notiere nicht nur Stichwörter wie „Führung“ oder „Zeitmanagement“. Halte die konkrete Situation fest: Was möchte die Person erreichen? Was hat sie versucht? Woran scheitert es? Welche Formulierung verwendet sie selbst?
Wie nah solche Fragen an einer Buchentscheidung liegen, zeigt ein öffentlicher Beitrag eines Sachbuchautors: Er fragt nach der Veröffentlichung, ob sein Thema zu eng sei und ob es eher als Recht, Politik oder Philosophie eingeordnet werden sollte. Das ist ein einzelnes Beispiel für eine ungeklärte Positionierung, keine Marktstatistik. Öffentliche Frage zur Sachbuch-Positionierung.
Lege eine einfache Tabelle an: Leserfrage, Situation, bisheriger Lösungsversuch, mögliche Hilfe durch dein Buch. Ergänze die Fundstelle, damit du später nachsehen kannst. Eine KI kann ähnliche Fragen gruppieren. Die Prüfung, ob die ursprünglichen Fragen tatsächlich passen, bleibt bei dir.
Schau dir vorhandene Bücher als Leser an
Suche einige Bücher, die deine Zielgruppe bereits finden könnte. Lies Beschreibung, Inhaltsverzeichnis und Leseprobe. Welche Vorkenntnisse setzen sie voraus? Welche Situation behandeln sie? Wie praktisch wird die Umsetzung?
Du suchst keine Formulierungen zum Übernehmen. Du untersuchst, welchen eigenen Beitrag dein Buch leisten kann. Vielleicht beziehen sich vorhandene Bücher auf große Unternehmen, während deine Leser einen kleinen Verein leiten. Vielleicht erklären sie ein Modell ausführlich, bieten aber wenig Hilfe für das erste Gespräch.
Prüfe auch, ob ein Buch überhaupt das passende Format ist. Wer nur eine aktualisierte Frist oder eine einzelne Vorlage sucht, braucht möglicherweise keinen umfangreichen Ratgeber. Ein Buch wird plausibler, wenn mehrere zusammenhängende Fragen eine nachvollziehbare Lernstrecke bilden.
Keine Konkurrenz ist übrigens kein eindeutiges gutes Zeichen. Es kann eine Lücke geben. Es kann ebenso bedeuten, dass Menschen die Lösung anders suchen oder wenig Interesse daran haben. Beides solltest du zunächst als offene Möglichkeit behandeln.
Teste eine Seite statt eines ganzen Manuskripts
Schreibe eine Probeseite, die eine wichtige Frage konkret beantwortet. Für das Teamleitungsbeispiel könnte das eine Vorbereitung auf das erste Rollengespräch sein: Was muss angesprochen werden, welche Missverständnisse sind wahrscheinlich, wie könnte ein Einstieg klingen?
Gib die Seite einigen passenden Testlesern. Stelle Fragen, die hilfreiche Kritik zulassen:
- An welcher Stelle erkennst du deine eigene Situation wieder?
- Was würdest du damit als Nächstes tun?
- Welche Erklärung fehlt dir?
- Was ist für dich selbstverständlich oder am Problem vorbei?
Ein freundliches „klingt gut“ ist angenehm, aber wenig aussagekräftig. Konkrete Rückfragen zeigen dir, wo du weiterarbeiten kannst. Wenn jemand deine Anleitung falsch versteht, ist das eine Chance, den Text klarer zu machen.
Ergänze anschließend den Satz: „Mein Buch hilft … dabei, …, damit ….“ Lass jedes abstrakte Wort prüfen. „Mehr Klarheit“ wird besser, wenn du beschreiben kannst, welche Entscheidung die Leserin danach treffen kann.
Lege fest, was sich für dich lohnen bedeutet
Ein Buchprojekt kann auf Verkäufe, fachliche Sichtbarkeit, Weitergabe von Wissen oder einen persönlichen Abschluss zielen. Diese Ziele benötigen unterschiedliche Entscheidungen. Ein sehr spezielles Fachbuch kann sinnvoll sein, auch wenn du keine breite Leserschaft erwartest. Dann sollten Aufwand und Erwartungen dazu passen.
Notiere vor dem Schreiben dein Hauptziel, dein verfügbares Budget und die Zeit, die du wirklich einsetzen möchtest. Rechne Recherche, Redaktion, Gestaltung und Vermarktung mit. KI-Unterstützung ändert nichts daran, dass du die Qualität prüfen und das Buch zu seinen Lesern bringen musst.
Deine nächste Aufgabe ist klein: Formuliere das Leserproblem, finde dazu echte Fragen und schreibe eine hilfreiche Probeseite. Damit machst du deine Idee überprüfbar.
Fragen, die bei der Themenwahl auftauchen
Kann meine Nische zu klein sein?
Ja. Entscheidend ist, ob genügend erreichbare Menschen das Problem wichtig finden und ob Umfang und Aufwand zu deinem Ziel passen. Eine genaue Zielgruppe ist hilfreich; eine willkürliche Verengung nicht unbedingt.
Muss mein Buch etwas völlig Neues sagen?
Es braucht einen erkennbaren eigenen Beitrag. Der kann in deiner Einordnung, einer bestimmten Lesersituation, einer guten Erklärung oder einer brauchbaren Umsetzung liegen. Vorhandene Inhalte lediglich umzuformulieren reicht dafür nicht.
Soll ich erst schreiben oder erst Leser suchen?
Du kannst früh mit einer Probeseite beginnen. Gleichzeitig solltest du mögliche Leser kennenlernen. So entwickelst du Inhalt und Verständnis der Zielgruppe gemeinsam, bevor du dich auf ein ganzes Manuskript festlegst.
Kann KI mir die perfekte Nische nennen?
KI kann Möglichkeiten und Recherchefragen vorschlagen. Ob Menschen ein konkretes Buch brauchen und kaufen würden, musst du mit echten Hinweisen und Gesprächen untersuchen.
Quellen
- Börsenverein: Buchmarkt 2025/20262025 rund 9,62 Milliarden Euro Umsatz, minus 2,7 Prozent; unterschiedliche Warengruppenentwicklung.
- Börsenverein: Tabellenkompendium 2026Seite 9: Titelzahlen erfassen Print-on-Demand und E-Books nur zu geringen Teilen.
Fragen aus der Recherche
Ist mein Sachbuchthema zu eng, und in welche Kategorie gehört es?
Vollseite geöffnet. Datum nicht zuverlässig aus relativen Angaben ableitbar; einzelne englischsprachige Frage, keine DACH-Häufigkeitsmessung.
OriginalquelleWie finden Autoren technischer Nischensachbücher ihre ersten Leser?
Vollseite geöffnet; konkrete Frage zu ersten Lesern und geeigneten Communities. Kommentarbehauptungen nicht als Fakten übernommen.
Originalquelle